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Studiert – und dann etwas völlig anderes gemacht: War mein Lehramtsstudium verschwendete Zeit?

Autorenbild: Till-Niklas Hollinderbäumer
Till-Niklas Hollinderbäumer
13. Okt.
3 Min. Lesezeit

Ein gerader Lebenslauf klingt ordentlich. Das echte Leben ist es selten. Ich habe ein soziales Jahr im sportlichen und pädagogischen Kontext gemacht, anschließend Sport und Biologie auf Lehramt studiert – bis zum Referendariat. Heute arbeite ich als Coach, Berufsberater und Dozent. Von außen sieht das vielleicht nach einem Richtungswechsel aus. Für mich ist es vor allem der Beweis, dass ein Weg nicht wertlos wird, nur weil sein ursprüngliches Ziel sich verändert.


Till als Lehrer in der Schule

Die kurze Antwort: Nein, mein Studium war keine verschwendete Zeit


Ich habe das Lehramtsstudium trotz leiser Zweifel durchgezogen. Währenddessen ließ ich mich zum kontextuellen Coach ausbilden und zum Berufsberater U25 weiterbilden. Dort entstand erstmals dieses klare Gefühl: Genau das will ich machen.

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob auf meinem Abschluss exakt derselbe Berufstitel steht wie heute. Entscheidend ist, was ich gelernt, ausprobiert und über mich verstanden habe. Didaktik, Beobachtung, verständliches Erklären, Lernprozesse, der Umgang mit jungen Menschen und das Arbeiten mit Gruppen gehören heute zu meinem Alltag – nur in einem anderen Rahmen.


Ein Weg kann sein Ziel verfehlen und dich trotzdem mit genau den Fähigkeiten ausstatten, die du später brauchst.

Was aus einer vermeintlichen Umleitung bleibt


1. Fachwissen ist nur ein Teil deiner Qualifikation


Ausbildungen und Studiengänge vermitteln neben Inhalten auch Arbeitsweisen: recherchieren, strukturieren, präsentieren, Probleme lösen, Verantwortung übernehmen, mit Kritik umgehen und komplexe Themen verständlich machen.


2. Erfahrung schärft deine Ausschlusskriterien


Auch ein ehrliches „Das möchte ich später nicht täglich tun“ ist wertvolle Orientierung. Ausschlusskriterien machen das Feld kleiner und Entscheidungen leichter.


3. Beziehungen und Einblicke reisen mit


Menschen, Projekte und Nebenjobs öffnen oft Türen, die im Studienverlaufsplan nicht vorkommen. Eine Laufbahn besteht nicht nur aus Zertifikaten, sondern auch aus Kontakten und erlebten Arbeitswelten.


4. Identität darf sich verändern


Mit 18 entscheidest du mit dem Wissen, das du mit 18 hast. Später kennst du dich, die Arbeitswelt und deine Bedürfnisse besser. Eine Kurskorrektur kann das Ergebnis von Entwicklung sein.




Bleiben, verändern oder gehen? Vier Fragen statt Bauchpanik


  1. Was genau passt nicht: Inhalt, Lernform, Ort, Tempo oder das spätere Berufsbild?

  2. Welche Fähigkeiten und Erfahrungen möchte ich auf jeden Fall mitnehmen?

  3. Ist die Belastung eine vorübergehende Phase – oder widerspricht der Weg dauerhaft meinen Werten und Bedürfnissen?

  4. Welchen kleinen Realitätscheck kann ich machen, bevor ich eine große Entscheidung treffe?


Ein Realitätscheck kann ein Gespräch mit jemandem aus dem Zielberuf, ein Hospitationstag, ein Nebenprojekt oder ein Praktikum sein. Er ersetzt nicht jede Unsicherheit. Aber er liefert bessere Daten als endloses Grübeln.



Die Transfer-Inventur


Teile ein Blatt in drei Spalten: „Das kann ich heute“, „Das habe ich über mich gelernt“ und „Das will ich künftig anders“. Sammle jeweils fünf konkrete Beispiele. Daraus leitest du zwei mögliche Richtungen und einen Test innerhalb der kommenden sieben Tage ab.

Die Inventur soll dich nicht überreden, in einem unpassenden Weg zu bleiben. Sie verhindert nur den Denkfehler, dass alles Bisherige wertlos gewesen sei.



Mein Fazit


Mein Lehramtsstudium war kein verschwendeter Abschnitt. Es war ein Teil meiner Entwicklung – mit brauchbaren Kompetenzen, echten Zweifeln und einer Kurskorrektur, die heute sehr gut zu mir passt. Du musst deinen bisherigen Weg nicht schönreden. Aber du darfst genauer hinschauen, bevor du ihn als Niederlage abstempelst.



Du willst deinen bisherigen Weg neu sortieren?


Auf meiner Angebotsseite siehst du, wie ich junge Menschen dabei begleite, aus Stärken, Werten, Erfahrungen und realistischen Möglichkeiten einen tragfähigen nächsten Schritt zu entwickeln.




Quellen und weiterführende Informationen

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